Darauf haben tausende Griechenlandurlauber gewartet: Der Autoput ist wieder offen und sicher befahrbar. Griechenland-Sehnsucht ist ihn gefahren und hat dabei wertvolle Informationen gesammelt. Diese Informationen werden hier veröffentlicht.

Die Informationen beziehen sich auf Befahrbarkeit, Sicherheit, Versorgungslage, Einreise- und Verkehrsbestimmungen, Kosten mit Vergleich zur Fährverbindung und Besonderheiten.

Der Artikel gliedert sich in Fahrbericht und Vergleichswerte.

Diese Informationen beziehen sich auf den genannten Zeitraum mit den Beteiligten. Sie sind daher subjektiv und einseitig. Wir raten dringend, weitere Informationen einzuholen (Auswärtiges Amt, Automobilclubs usw).

Unsere Reisezeit: Vom 8. – 22 August 2004

Reisestrecke: Nürnberg – Passau – Graz – Maribour – Zagreb – Belgrad – Nis -  Skopje – Evzoni - Thessaloniki – Kalamitsi/Sithonia.

Gesamtstrecke: 1865 km (einfach), davon 437 km Landstraße, 12 km Stadtdurchfahrten (Maribor, Zagreb und Saloniki) und 24 km einspurige Tunneldurchfahrten in Österreich.

Gesamtfahrzeit: 36 Stunden mit ca. 11 Stunden Pausen

Fahrzeug: VW-Bus, Höchstgeschwindigkeit 120m km/h, Spritverbrauch 12 l/100km

Fahrbericht:

Zum ersten Mal nach 1990 wagten wir unsere Griechenlandfahrt über den berüchtigten Autoput. Die Kriege in Jugoslawien machten den Landweg für lange Jahre unbefahrbar. Auf der anderen Seite zogen die Fährlinien mit immer besseren Schiffen und angenehmen Angeboten nach und beherrschten über diesen langen Zeitraum die Fahrt nach Griechenland. Was zur Folge hatte, dass auch die Preise aufgrund der Monopolstellung in den Jahren seit 1990 um über 230 % stiegen. Besonders drastisch fiel uns dies auf, als wir dieses Jahr neben unserem Pfingsturlaub auch noch spontan im August nach Hellas fahren wollten. Zahlten wir im Mai/Juni noch für die Deckpassage mit unserem VW-Bus hin und zurück 380.- Euro so waren es nun in der Hauptsaison bereits 690.- Euro. Die Idee zur Fahrt über den Autoput war geboren.

Wir begannen unsere Reise in Nürnberg am 8. August in der Frühe. Wir hatten als Route die Strecke über Passau und Graz nach Zagreb gewählt. Erstens, weil es von uns aus 35 km kürzer ist als über München-Salzburg-Ljubljana, zweitens, weil ich die exakte Strecke bereits 1990 gefahren bin und vergleichen wollte. In unserem Reisebericht wollen wir uns auf den Streckenabschnitt Grenze nach Österreich bis Grenze nach Griechenland beschränken. Angemerkt sein lediglich, dass wir dieses Jahr durch Thessaloniki gefahren sind und nicht die Ringroad. Die Durchfahrt dauerte ebenso lang wie über die Ringroad, der Nervenabrieb war etwa gleich, aber wir ersparten uns den Anblick verwahrloster Kinder, die nach Geld betteln.

Die Grenze nach Österreich nahmen wir gewohnt europäisch. Es sollte die letzte Grenze für lange Zeit sein, die wir fast nicht bemerkten. Immerhin hatten wir alleine auf dem Hinweg 5 bewachte Grenzen vor uns. In der gesamten Alpenrepublik das gewohnte Bild: Man muss für das Atmen nichts bezahlen, alles andere wird doppelt und dreifach kassiert. Die Autobahnmaut mit 7,50 Euro für ein 10-Tagesticket berappt und noch zusätzlich zwei Mautzahlungen für den Gleinalmtunnel (7,50 Euro) und für den Phyratunnel (4,50 Euro). Bei der Endabrechnung erwartet uns aber eine Überraschung: Ein Sechstel aller Autobahngebühren werden in Österreich bezahlt, dabei befinden sich ein Viertel aller Autobahnkilometer in diesem Land. Wir haben Österreich damit also Unrecht getan. Übrigens: Graz wird unterfahren, das heisst, es führt ein 10 km langer Autobahntunnel unter Graz hindurch. Und: dieser Tunnel ist kostenfrei. Etwa 60 km hinter Graz beginnt unser Abenteuer Autoput an der slowenischen Grenze.

Es ist zwar etwas ungewohnt, an einer Grenze zu stehen, die Pässe bereitzuhalten und auf einen Wink des Grenzbeamten zu warten, aber es ist auch ohne Grund so. Denn die Wartezeit an den Grenzen war überall erträglich. Die einzige Schikane erlebten wir – na – ausgerechnet bei den griechischen Grenzern. Dort wateten wir in praller Sonne vierzig Minuten, bis zwei Kleintransporter aus Kroatien abgefertigt waren. Die vielbeschriebene EU-Spur war zwar vorhanden, doch geschlossen. Die etwa 7-8 Grenzbeamten lungerten lieber mit Kippe und Frappe in der Gegend rum. Griechisch halt.

An der Grenze nach Slowenien verbrachten wir 3 Minuten. Der Andrang war mit knapp 20 Fahrzeugen erträglich und die Slowenen waren an den Pässen nicht interessiert. Es folgte eine gute, zweispurige Autobahn bis Maribor, die mit 1,20 Euro erträglich günstig war. Dann schließt sich eine Stadtdurchfahrt an, die mit Richtung Zagreb sehr gut beschrieben ist. Nach etwa 10 Minuten waren wir durch und auf der Landstraße nach Zagreb. Diese schlängelt sich etwa 40 km durch die Landschaft. Polizeikontrollen waren an dieser Strecke nicht zu sehen. Überall in Slowenien werden Euros – wie überall auf der Strecke – akzeptiert. Für die insgesamt 60 km Slowenien lohnt sich der Umtausch nicht.

Am Grenzübertritt zu Kroatien wiederum keine Probleme. Wartezeit bei etwa 5-6 Fahrzeugen eine ganze Minute. Weiter geht es auf einer Autobahn. Die Mautstelle am Beginn verlangt 2,50 Euro .Die Straße ist in hervorragendem, neuen Zustand, und führt an Zagreb vorbei. Gleich hinter Zagreb sehen wir auf der Hinfahrt zwei kurz hintereinander folgende Raststätten mit viel Betrieb. Dort gibt es auch ein Motel und ein Autocamp. Es sieht voll, aber einladend aus.

Überhaupt ist die Versorgung von Zagreb bis zur Grenze sehr gut. (Siehe Raststätten-Übersicht). An den Raststätten – wir haben zwei getestet – ist man sehr freundlich, zuvorkommend. Euro sind gern gesehen. Der Sprit ist geringfügig billiger als in Deutschland (1,03 Euro). es lohnt sich, wenn möglich, erst in Serbien zu tanken! Ansonsten gibt es kleinere Probleme mit aufdringlichen Kindern, die die Frontscheibe putzen wollen. Achtung: Wenn man das nicht möchte, bereits von weitem eindeutig darauf hinweisen. Manchen spritzen mit einer Flasche die Scheibe bereits von weitem voll und protestieren dann wegen des verbrauchten Spülwassers. Mitunter kann eine solche Scheibenreinigung aber auch ganz nützlich sein.

Die Mautstelle für die Kroatische Autobahn, die in einem annehmbaren Zustand ist und lediglich einige tiefe Spurrillen aufweist, kommt 30 km vor der serbischen Grenze, beim Ort Lipovac. Der Preis von 20 Euro für 260 km Autobahn erscheint uns ganz in Ordnung. Das System ist übrigens italienisch. Man erhält an der ersten Mautstelle eine Karte, und jede Ausfahrt hat eine eigene Zahlstelle, die den Preis ehrlich berechnet.

Die dann zu befahrene Landstraße stammt natürlich aus der Zeit des alten Autoputs. Heller Asphalt, viel Verkehr und teilweise halsbrecherische Überholmanöver von LKW und Reisebussen. Genügend Abstand halten ist hier wichtig. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Grenze nach Serbien.

Der Grenzübertritt ist auch hier wie bisher überall ohne nennenswerte Komplikationen. Eher im Gegenteil: Die serbischen Grenzer sind zuvorkommend, freundlich und sprechen fast fließend deutsch. Unsere Wartezeit beträgt 7 Minuten. Für Serbien und auch Mazedonien gilt Passpflicht. Aber: auch der vorläufige deutsche Reisepass wird problemlos akzeptiert. Vorteil: Dieser ist schnell zu bekommen und ein Jahr gültig. Also auch Spontanreisende haben die Möglichkeit in Serbien einzureisen, die einen 6 Monate gültigen Pass verlangen. Eine Visumspflicht besteht nicht mehr. Serbien und Montenegro stempelt (wie auch Mazedonien) nur die Ein- und Ausreise in den Pass. Da wir in Serbien evtl. übernachten, tanken und essen wollen und Geld für Sprit und Maut brauchen, tauschen wir 100 Euro um und erhalten dafür 7800 Dinar. Die Tauschgebühren betragen 50 Cent. Kurz nach der Grenze beginnt die Autobahn, die sich – abgesehen von tiefen Spurrillen in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Es gibt ausreichend Raststätten und die Versorgung mit Benzin und Diesel ist jederzeit gewährleistet. Die Qualität des Kraftstoffs ist sehr gut. Der Spritpreis ist paradiesisch: Ein Liter Superbenzin kosten 0,77 Euro.. Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Motels und Autocamps gibt es in der Nähe von den Städten Belgrad und Nis. Ebenso verhält es sich mit Kreditkartenakzeptanz. Visa und Mastercard werden dort genommen, allerdings empfiehlt es sich in jedem Fall vor dem Tanken oder Einkauf zu fragen. Information für Raucher: Die Packung internationale Zigaretten (Camel, L&M, West usw.)  kostet etwa 65 bis 70 Dinar, was einem Preis von 85 -95 Cent entspricht.

40 Km vor Belgrad steht die erste Mautstelle, welche von uns 1360 Dinar (18,33 Euro) verlangt. Der Preis in Euro bezahlt beträgt dagegen 20 Euro. Schon hier haben sich also die Umtauschgebühren gelohnt. Etwa 110 Km nach Belgrad befindet sich auf beiden Seiten eine OMV-Tankstelle, welche mit gutem (günstigen) Essen, gepflegten Toiletten und einem freundlichen Service bis hin zur bewaffneten Bewachung aufwartet. Bei Lescinac (etwa 30 Km vor Nis oder 200 Km nach Belgrad) tanken wir, zahlen auf Mastercard und übernachten in unserem Bus auf dem Parkplatz. Spannenderweise ist auch dieser Platz von Polizei und einem Wachdienst bewacht. Wir fühlen uns sicher und schlafen sehr gut, nachdem wir uns im Imbiss nebenan ein Bier und einen Tee für insgesamt 100 Dinar (1,37 Euro) gegönnt haben.

Am nächsten Morgen geht es weiter und schon nach wenigen Kilometern kommt eine weitere Mautstelle, die uns 2.800 Dinar (38,50 Euro) abnimmt. Auch hier beträgt der Preis, wenn man in Euro zahlt 40 Euro, er wird also aufgerundet. Die Autobahn geht dann noch etwa 45 Km bis Leskovac. Hier nochmals Mautstelle. Der Betrag 710 Dinar (9,74 Euro). Bei Eurozahlung werden 10 Euro fällig. Durch den Umtausch sind uns somit knapp 3 Euro mehr im Geldbeutel geblieben.

Was nun aber folgt ist eine Zumutung. Die Straße – nein entschuldigung, dieser Acker hat diesen Namen nicht verdient – ist in erbärmlichen Zustand. So etwas haben wir noch nie gesehen. Schotter, Schlaglöcher, zentimeterhohe Kanten, und schlecht gesicherte Baustellen. An vielen Stellen ist nur Tempo 40 möglich. Das geht 44 Km bis Surdulica so. Danach setzt eine geteerte Fahrbahn ein, die bleibt bis Vranje. danach wird der Belag bis zur Grenze wieder schlechter, aber bleibt befahrbar. (Trotzdem: Hut ab! Bei der Heimreise knapp 2 Wochen später sind von den 44 Km Piste bereits 7 Km geteert und damit bestens befahrbar. Wahrscheinlich wird dieses Problem bis 2005 behoben sein und außerdem wird an der Autobahn bereits gebaut.)

Inzwischen sind wir übrigens darauf gekommen, woher der schlechte Straßenzustand kommt. Die Grenze zum Kosovo liegt teilweise von der Straße nur wenige Kilometer entfernt. Diese Schäden auf dem Asphalt sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Panzer und andere militärische Kettenfahrzeuge zurückzuführen.

An der Grenze nach Mazedonien angekommen warten wir etwa 9 Minuten. Die Grenzbeamten sind sehr freundlich. Stempel in den Pass und einen schriftlichen Hinweis in die Hand, wo man in diesem Land am besten Urlaub machen kann, und schon gehts weiter. Nach knapp 10 Kilometern beginnt eine Autobahn in gutem Zustand für etwa 100 Km, die an manchen Stellen zudem auch noch landschaftlich reizvoll ist. An drei Mautstellen verlangt man je 4 Euro, und das obwohl die angegeben Preise auf den Quittungen jeweils unterschiedlich sind. Bei Negotino endet die Autobahn und es beginnen 87 Kilometer Landstraße. Hier wird überall an der Weiterführung der Autobahn gebaut. Daher kommt es durch Baustellen immer wieder zu Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Autobahnbau wird durch die EU gefördert, und Mazedonien hat die Schnellstraße als gute Devisenquelle erkannt.

Vier Kilometer vor der Grenze nach Griechenland beginnt wieder Autobahn, die von Anfang an kostenlos ist. An der Grenze nach Griechenland müssen wir fast 40 Minuten warten. Und das obwohl nur 10 Autos vor uns sind.

Die Spur für EU-Bürger ist geschlossen und an der einzig geöffneten Spur werden gerade zwei Kleinlaster aus Kroatien auseinander genommen. Also warten wir halt. Einige Griechen fuchteln sauer mit dem EU-Pass vor dem Zöllner herum. Wir amüsieren uns darüber, weil wir ähnlich fühlen, aber uns nicht artikulieren können. Außerdem gefällt es uns, wie respektlos die Griechen mit ihren Zöllnern umgehen.

Hier endet unser Bericht über den Autoput.

Nach genau 36 Stunden kommen wir auf dem Campingplatz in Kalamitsi/Sithonia an. 1865 km liegen hinter uns.

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